Gelassenheitstraining

Der Begriff der Gelassenheit gewinnt zunehmend an Bedeutung, spätestens, seitdieser Bereich zu richterlicher Beurteilung wurde. Die heutzutage gezüchteten Sportpferde zeugen durch den hohen Vollblutanteil von Sensibilität, Reaktionsschnelligkeit und Intelligenz. Intelligenz bedeutet in diesem Falle, dass diese Tiere zwar einen sensationellen Leistungserfolg in kurzer Zeit erbringen, allerdings auch alles in ihrem Umfeld wahrnehmen und abspeichern – vorzugsweise Regenschirme, Plastikplanen, Bachübergänge, Flatterbänder, spielende Kinder, Hunde und andere Verkehrsteilnehmer. Oftmals zu dem Nachteil des Reiters…

Gelassenheit bedeutet Ruhe und Konzentration. IMG_2055Pferde haben von Natur aus eine hohe Ablenkbarkeit. Das ist zu ihrem Überleben immens wichtig. Ein Pferd, das in der Natur einen Stein nicht von einem Löwen unterscheiden kann, hat schlechte Karten. Daher ist das Wahrnehmungsfeld der Tiere sehr hoch, um in Gefahrensituation schnell fluchtbereit zu sein.

In unserem Alltag kann diese Wahrnehmung eine Hinderung sein. Dressurturniere auf dem Aussenplatz, leichter Nieselregen, wehende Blätter, Menschenmengen mit Regenschirmen, Applaus und aufgeregte Pferde und Reiter. Wer soll da noch eine Prüfung sauber durchreiten?

In diesem Fall ist es wichtig, das Umfeld ausblenden zu können und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Trainingseinheit. Dieser Prozess will gelernt sein.

IMG_1919Gelassenheit bedeutet Geschick. Es ist ein Teil der Bodenarbeit, der aber auch durchritten werden kann. Eine Vielzahl von Hindernissen im Alltag, wie z.B. das Öffnen von Toren aus Reiterhand oder das Überqueren auf einer Brücke, stellen das Geschick von Mensch und Tier auf die Probe. Dazu ist die innere Ruhe, das Verständnis für die Natur des Pferdes sowie unsere Natur als Menschen, vorallem aber moderne Trainingsmethoden hilfreich, um den Umgang mit unserem Partner langfristig stressfrei zu ermöglichen.

Gelassenheit bedeutet Vertrauen.IMG_2093Das Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung, An dieser Stelle fragt sich nur: Woher weiss ich, ob mein Pferd mir wirklich vertraut? Ich stelle unsere Beziehung auf die Probe und prüfe sie auf Nachhaltigkeit. Ich versetze uns in Situationen, die für mein Tier Stress bedeuten und Situationen, die für mich Stress bedeuten. Versetze ich uns in eine Situation, die für uns beide Stress bedeutet, wird jeder nach seiner Natur handeln. Das Pferd als Fluchttier und der Mensch als Raubtier. Mit dem Wissen über die Lernprinzipien eines Pferdes kann ich in stresssituationen die Anführerschaft übernehmen und uns beide zum Überleben führen. Dabei darf Angst oder Schmerz nicht Teil der Einheit sein.